Hochschulweiterbildung zum DRG-Beauftragten

von Dipl. Pflegewirt Thorsten Müller und Peter Bender

 

 

Die sachgerechte Abbildung des eigenen Krankengutes und des Behandlungsaufwandes im G-DRG-System wird wesentlich von der korrekten pflegerischen und medizinischen Basisdokumentation beeinflußt. Aus Unkenntnis der optimalen Kodierung nach ICD-10 SGB V und OPS 301 heraus, können erhebliche Erlösdifferenzen für das eigene Krankenhaus resultieren.

 

Der Arzt und die Pflegekraft (durch schweregraderhöhende pflegerische  Nebendiagnosen kodiert) schreiben mit der Kodierung quasi die Rechnung und bestimmen somit über die Erlöse des eigenen Krankenhauses. Aufklärung und Schulung der Pflegekräfte und Ärzte im Krankenhaus sind daher ein wesentlicher Erfolgsfaktor in der Vorbereitung auf eine G-DRG-basierte Vergütung der Krankenhäuser.

 

Die von der Verweildauer entkoppelte Vergütung verlangt nach einer optimalen Gestaltung der Prozesse. Das Arbeiten mit interdisziplinären Critical Pathways, klinische Behandlungspfade, bei denen insbesondere der Abbildung der pflegerischen Prozesse ein besonderes Gewicht zukommt, stellt neben der fachlichen Kompetenz hohe Anforderungen an die Kooperation und Koordination der verschiedenen Dienste und Funktionen im Krankenhaus.

 

Im Alltag kommt heute schon der Pflege diese koordinierende Rolle zu. Pflegekräfte insbesondere mit Managementerfahrungen in der Stations- oder Pflegedienstleitung, besser noch mit einer entsprechenden Aus- oder Weiterbildung verfügen über die vorausgesetzten Schlüsselqualifikationen für die Tätigkeit als DRG-Beauftragter: Kenntnisse der Medizin, der Pflege, der Betriebswirtschaftslehre und der Psychologie.

 

In diese Situation hinein wurde am Institut für Fort- und Weiterbildung der Katholischen Fachhochschule Mainz eine berufsbegleitende Weiterbildung zum DRG-Beauftragten entwickelt. Sie entspricht diesem Qualifikationsprofil und berücksichtigt die unter G-DRG entstehenden Anforderungen insbesondere an die Pflege. Das praxisorientierte Konzept setzt dabei nicht nur auf die Vermittlung von Fachwissen, sondern auf den Erwerb von Handlungskompetenz.

 

Die Weiterbildung führt aus ökonomischer wie pflegewissenschaftlicher Perspektive in das G-DRG-System ein. Die betriebswirtschaftlichen Grundlagen der Kostenrechnung werden ebenso vermittelt, wie die Planung und Kalkulation von Critical Pathways, die Nachkalkulation von G-DRGs und die Verschlüsselung von Diagnosen und Prozeduren und die Einführung der G-DRGs auf der Grundlage von Projektmanagement. Während einer Umsetzungsphase im eigenem Krankenhaus stehen die Referenten für Fragen per E-Mail zur Verfügung. Ein Abschlußseminar ermöglicht die Auswertung der Praxisphase, die Vertiefung spezifischer Fragen und die Planung des weiteren Vorgehens in der eigenen Einrichtung.

 

Die Weiterbildung hat im April 2002 begonnen. In einem Zeitraum von etwa 6 Monaten finden 4 Kursabschnitte (12 Seminartage) statt. Während der Erarbeitungsphase führen 3 Seminare terminlich dicht gestaffelt in das Thema ein. Sie bereiten auf eine dreimonatige Praxisphase vor, die wiederum in einem zweitägigen Auswertungs- und Abschlußseminars evaluiert wird.


 

Das Curriculum:

 

Seminarabschnitt 1:
Einführung und Grundlagen DRG

(3 Tage)

 

Seminarabschnitt 2:
Abrechnung von Krankenhausleistungen im G-DRG-System

(3 Tage)

 

EDV-Baustein:
EDV-gestützte  Kodierung und Grouping

(1 Tage)

 

Seminarabschnitt 3:
Implementierung / Projektmanagement

(3 Tage)

 

 

Praxisphase:
Einführung der DRG
im Krankenhaus

 

 

Seminarabschnitt 4:
Auswertungs- und  Abschlußseminar

(2 Tage)

 

 

Prof. (emer.) Dr. Edith Kellnhauser, Katholische Fachhochschule Mainz, führt aus pflegewissenschaftlicher Sicht in die Thematik ein. Die Grundlagen und Abrechnung im G-DRG-System werden von Dipl.-Pflegewirt Thorsten Müller, Leiter Krankenhausspezialisten bei einer großen Krankenkasse, Stuttgart, die Implementierung und das Projektmanagement von Dipl.-Pflegepädagoge Michael Spielmann, Systemischer Berater, Frankfurt vermittelt.

 

Die regelmäßige Teilnahme an allen Seminarabschnitten und die Präsentation und Dokumentation des Praxisprojektes bescheinigt die Katholische Fachhochschule Mainz mit dem Hochschulzertifikat „DRG-Beauftragter“.

 

Die Weiterbildung vermittelt die notwendigen Kompetenzen um das neue Entgelt-System in der eignen Einrichtung verantwortlich einführen zu können. Sie richtet sich an Fach- und Führungskräfte aus dem Pflege- und Gesundheitsbereich. Die Einführung des G-DRG-System ist nicht nur die Umstellung auf ein neues Entgeldsystem, sondern eine der größten Reformen im Gesundheitssystem der letzten Jahrzehnte. Sie impliziert auch neue Aufgaben für die Pflege; eine Chance, die diese nutzen sollte.

 

Weitere Informationen zur nächsten Weiterbildung finden Sie hier (bitte klicken).

 

 

Die Autoren:

 

Thorsten Müller, Dipl.-Pflegewirt, Fachkrankenpfleger für Intensivmedizin, Lehrbeauftragter, ist Leiter Krankenhausspezialisten einer großen deutschen Krankenkasse und hat lang-jährige Erfahrungen als Pflege- und Medizin-Controller in mehreren Krankenhäusern

 

Peter Bender, Dipl.-Theologe und Organisationsberater ist Referent für Fort- und Weiterbildung am Institut für Fort- und Weiterbildung der Katholischen Fachhochschule Mainz.